Ein Stadtteil, zehn Quartiere

Zehn teilweise sehr unterschiedliche Quartiere bilden zusammen die HafenCity. Jedes Einzelne zeichnet sich durch ein ganz eigenes unverwechselbares Profil aus und ergänzt so die Hamburger Innenstadt um neue Qualitäten

Das Foto zeigt eine Luftaufnahme der HafenCity

Während nördlich, also im direkten Anschluss an Speicherstadt und bestehende Innenstadt, schon ein zusammenhängendes städtebauliches Ensemble fertig gestellt wurde, steht im Süden die Entwicklung vieler elbnaher Flächen noch bevor (© Fotofrizz)

Eine übergreifende städtebauliche Idee ist der gesamten HafenCity eigen, selbst für den Laien ist sie unmittelbar als zusammenhängendes städtebauliches Ensemble erkennbar. So entstehen fast alle Hochbauten des Stadtteils auf hochwassersicheren Warften. Für die gesamte HafenCity gelten auch die Höhenstrukturen sowie die Ansprüche an Architekturqualität, Stadtgestalt und Nachhaltigkeit.

Dennoch entsteht der Stadtteil nicht als formale Einheit. Eine unterschiedliche Mischung verschiedener Nutzungen, städtebaulicher Typologien und Architekturen gehört zu seinen Planungsprinzipien. Auch deshalb setzt er sich aus zehn unterschiedlichen Quartieren zusammen: Jedes Einzelne dieser Quartiere zeichnet sich durch eine erkennbar eigene Identität aus, auch wenn es nahezu vollständig oder vollständig durch neue Architektur geprägt ist.

Schon im Masterplan ist die Unterteilung nach Quartieren enthalten; manche Zuordnungen und Zuschnitte wurden nachträglich veränderten Planungen angepasst und entsprechend verfeinert. Oft wurden die Zuschnitte dieser zehn Quartiere aus der Topografie des Projektgebiets entwickelt: Fleete, Hafenbecken oder der Elbstrom bilden Quartiersgrenzen, manchmal übernehmen auch Straßen oder die angrenzende Speicherstadt diese Funktion. Als hafentypische Milieugeber prägen die verschiedenen Merkmale stark den Charakter einzelner Quartiere, die trotz der modernen Bebauung durch die historischen Nutzungen räumlich vorstrukturiert bleiben. Die gebäudebezogene neue Typologie der einzelnen Bauten unterscheidet sich sehr stark in Abhängigkeit von den Möglichkeiten der Bebauung auf den vordefinierten Landzungen, dem Abstand vom Denkmal Speicherstadt oder den Nutzungen. So entstehen in den Quartieren unterschiedlich große Gebäudetypologien: von 3.500 qm – 4.500 qm am Sandtorkai, bis zu 30.000 qm – 40.000 qm  in großen Gebäuden im Überseequartier, das damit an die Tradition des Kontorhausviertels anknüpft.

Die Übergänge von einem Quartier ins andere sind weich und fließend gestaltet. Zahlreiche Bezüge untereinander schaffen Verbindungen, wobei die Freiraumplanung eine wichtige Klammer bildet. Wettbewerbe zur Gestaltung öffentlicher Stadträume werden meist für größere, mehrere Quartiere umfassende Areale ausgeschrieben.

Inhaltlich differenzieren sich die Quartiere in der Regel durch ihre Nutzungen weiter. Dabei wird trotz verschiedener Schwerpunktsetzungen stets eine Nutzungsmischung realisiert. So entstehen in der HafenCity keine reinen Wohn-, Büro-, Einkaufs- oder Freizeitquartiere.

Auch aus einem weiteren Grund bietet sich die Realisierung verschiedener Quartiere innerhalb des Stadtteils an: So lässt sich die HafenCity – den Markterfordernissen entsprechend – schrittweise über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten entwickeln; trotzdem werden schon vergleichsweise früh zusammenhängende und somit funktionierende städtebauliche Einheiten fertiggestellt. Begonnen hat die Entwicklung zunächst im Norden und Westen, also an den Schnittstellen zur bestehenden Innenstadt, und setzt sich nun in Richtung Süden und Osten fort.