Leben

Maritimes Flair, großstädtische Prägung: die HafenCity als Wohnort

In der HafenCity verwirklichen sich unterschiedlichste Lebensentwürfe, hier treffen vielfältige soziale Milieus aufeinander. Für verschiedene Ansprüche werden sowohl geeignete Wohnungstypologien als auch die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Und trotz – oder gerade wegen – ihrer Unterschiedlichkeit initiieren die Bewohner zahlreiche Netzwerke

Das Foto zeigt die Dalmannkai-Promenade

Die meisten der derzeit 1.500 HafenCity-Bewohner leben auf dem Dalmannkai, wo vielfältige Wohnimmobilien für Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen entstanden sind (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Längst nicht nur aufgrund ihrer Lage zählt die HafenCity bereits heute zu den begehrtesten Wohnvierteln Hamburgs. Viele der mittlerweile 1.500 Menschen sind auch deshalb in den Stadtteil gezogen, weil sie hier gleichzeitig zentral und mit direktem Bezug zum Wasser wohnen oder weil der nahe Hafen und die benachbarte historische Speicherstadt zum besonderen Flair des Viertels beitragen. Anziehend wirkt zusätzlich die im Stadtteil entstehende neue Urbanität: Künftig 12.000 Bewohner werden nicht in einem reinen Wohnareal leben, sondern in innerstädtischen Quartieren, die sich durch eine dichte Nutzungsmischung auszeichnen. Bistros, Cafés, Restaurants und Bars finden die Bewohner ebenso in ihrer Nachbarschaft vor wie zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen. Darüber hinaus entstehen mindestens 40.000 Arbeitsplätze, davon ca. 35.000 Büroarbeitsplätze. Gleichzeitig wird eine auf differenzierte Bedürfnisse ausgerichtete soziale Infrastruktur geboten.

Die Bewohnerstruktur der HafenCity zeichnet sich vor allem durch ihre Differenziertheit aus: Für unterschiedliche soziale Ansprüche und je nach finanziellen Möglichkeiten stehen verschiedene Wohntypologien zur Verfügung, beispielsweise als Miet- oder Eigentumswohnungen im mittleren oder gehobenen Preissegment oder als Luxusprojekte. Da es allerdings keinen niedrigpreisigen Altbaubestand gibt, fehlt in Neubaugebieten der preiswerte Wohnbestand. Wohngebäude mit ungeschlossenen kleinen Privatflächen im Innenbereich bieten geschützte Räume für spielende Kinder und eignen sich somit für Familien. Auch Mehrgenerationenhäuser entstehen in der HafenCity. Bereits realisiert wurde ein eigens für Senioren gestaltetes Wohngebäude; in seinem Erdgeschoss haben sich Dienstleistungsunternehmen und Geschäfte niedergelassen, deren Angebot spezifisch auf die Ansprüche dieser Zielgruppe ausgerichtet ist. Um die Bandbreite des Wohnangebots zu erweitern und noch preisgünstigere  Wohnungen anbieten zu können, wird im Quartier am Lohsepark erstmals auch geförderter Wohnungsbau und möglicherweise studentisches Wohnen entstehen.

In dem Projekt designport hamburg sind kombinierte Wohn- und Arbeitslofts für Designer geplant und das Gebäude des Ökumenischen Forums Brücke erprobt neue Formen gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Geeignete Wohnungstypologien stehen auch für Singles oder kinderlose Paare zur Verfügung, und beste Bedingungen bietet der Wohnungsmarkt in der HafenCity auch für "Empty Nesters", also ältere Paare nach Auszug der Kinder, sowie sogenannte multilokale Haushalte, beispielsweise von Tages- und Wochenendpendlern mit wechselnden Arbeitsorten.

Die so entstehende dichte wie auch nachhaltige Bevölkerungsmischung ist das Ergebnis sorgfältiger Konzeption, bei der ein vielschichtiges Vergabeverfahren eine wesentliche Rolle spielt: Beispielsweise werden Grundstücke für den Wohnungsbau in der HafenCity üblicherweise nicht meistbietend verkauft und ihr Preis liegt überwiegend 50% unter dem von Bürostandorten. Potenzielle Investoren müssen statt eines Höchstgebots das Konzept eines besonderen passenden Projekts einreichen, dessen Qualität entscheidend ist für den Verkauf zu einem vorab fixierten Festpreis. Außerdem müssen sich Projekte in ihr Quartiersumfeld einfügen und es durch ein eigenes charakteristisches Angebot bereichern.

Bewährt hat sich auch die Vergabe von Grundstücken an Baugenossenschaften und Baugemeinschaften. Da beide Modelle nicht vorrangig ertragsmaximierend arbeiten, realisieren sie Mietwohnungen beziehungsweise Wohneigentum zu besonders günstigen Preisen. In den künftig zu entwickelnden Quartieren der östlichen HafenCity sollen Baugenossenschaften und Baugemeinschaften daher noch stärker berücksichtigt werden, nachdem die HafenCity ihre Eignung für Familien unter Beweis gestellt hat. Vier Baugemeinschaftsprojekte sind bereits verwirklicht beziehungsweise im Bau, zwei weitere, darunter ein Musikerhaus, sind anhand gegeben.

In der HafenCity lassen sich also verschiedenste Lebensentwürfe umsetzen, wobei die differenzierten Wohnungsangebote nur eine unabdingbare Voraussetzung hierfür darstellen. Ergänzt werden sie durch eine ausgezeichnete soziale Infrastruktur: Eine Grundschule mit Kinderhort sowie eine Kindertagesstätte haben bereits ihren Betrieb aufgenommen; das allen drei Einrichtungen gemeinsame Gebäude dient außerdem als Community Center für den gesamten Stadtteil. Nach Schulschluss kann es mitsamt seiner Sporthalle von Vereinen und Initiativen genutzt werden.

Ebenfalls bereits realisiert wurden die temporäre Kapelle des Ökumenischen Forums, ein Kinderspielplatz, ein Basketballcourt und eine Boulebahn. Orte der Begegnung und Kommunikation bieten außerdem die zahlreichen Stadträume der HafenCity, darunter mehrere Plätze und Promenaden mit unmittelbaren Wasserbezügen sowie die schwimmende Platzanlage des Traditionsschiffhafens. Noch in Planung sind unter anderem mehrere Parks, weitere große Spielplätze, eine Sekundarschule mit Sportplatz sowie Freizeitanlagen im Quartier Baakenhafen.

Schon jetzt haben die Bewohner zahlreiche Netzwerke geknüpft. So gründeten sie den Sportverein Störtebeker SV, den Kunstverein Kunstcompagnie e.V. und den HafenCity Netzwerk e. V. Mit Unterstützung der HafenCity Hamburg GmbH und zahlreicher Sponsoren aus dem Stadtteil entwickelten engagierte Eltern ein Spielhaus, das sie jetzt in Eigenregie betreiben. Manche Bewohner organisieren Trödelmärkte und Nachbarschaftstreffs, andere betreiben Websites, die den Bewohnern einzelner Wohngebäude oder des gesamten Stadtteils als Foren dienen. Eines dieser Portale hat sich mittlerweile sogar zu einer gedruckten Monatszeitung entwickelt.

Beachtlich ist diese Entwicklung insbesondere vor dem Hintergrund des derzeitigen Entwicklungsstands im Stadtteil. Bisher wurde erst ein einziges von insgesamt zehn Quartieren der HafenCity fertiggestellt. Weitere Quartiere werden folgen und mit ihnen weitere Wohnungen, weitere Bewohner, weitere Treffpunkte. Neue Netzwerke werden entstehen, bereits etablierte wachsen. Doch  eine wesentliche Zielvorgabe wurde schon jetzt erreicht: Im Stadtteil hat sich eine ganz eigene, ebenso nachbarschaftliche wie innerstädtische Form des Zusammenlebens herausgebildet.