Kultur und Freizeit
Kulturelle Leuchtturmprojekte
Neben vielen kleineren und mittleren Projekten und Orten spielen vor allem drei Großprojekte eine besondere Rolle bei der kulturellen Besetzung des neuen Stadtteils: Das Internationale Maritime Museum Hamburg, die Elbphilharmonie sowie das Science Center erregen weit über Deutschland hinaus Aufmerksamkeit
Im aufwendig sanierten Kaispeicher B – dem ältesten Gebäude der Speicherstadt und der HafenCity – eröffnete bereits 2008 das Internationale Maritime Museum Hamburg (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten
Das erste kulturelle Leuchtturmprojekt hat seinen Betrieb bereits aufgenommen. Schon im Sommer 2008 wurde das Internationale Maritime Museum Hamburg eröffnet. Es entstand im 1879 fertiggestellten Kaispeicher B (Architekten: Wilhelm Emil Meerwein, Bernhard Hanssen), dem ältesten Speichergebäude in der HafenCity und der Speicherstadt.
Seit Mitte 2005 war der Speicher im Elbtorquartier unter Federführung der Architektin Mirjana Markovic aufwendig saniert und gleichzeitig zum Museum umgebaut worden, wobei die charakteristische Architektur des denkmalgeschützten Speichergebäudes unangetastet blieb. Durch sein Erdgeschoss verläuft nun eine Passage, in der auch der Museumsshop, ein Restaurant und ein Bistro untergebracht sind. Die Museumsbrücke, eine Fußgängerquerung über den Brooktorhafen, führt direkt in die Passage hinein und erschließt das neue Museum von der Speicherstadt im Norden aus.
Die zehn Decks des Museums zeigen eine Ausstellung auf Basis der privaten Sammlung von Prof. Peter Tamm, die vor allem aus Schiffsmodellen, Konstruktionsplänen für Schiffe sowie einer Vielzahl nautischer Geräte, Gemälde und Grafiken besteht. Jedes der zehn Stockwerke befasst sich jeweils mit einem Schwerpunktthema, wie zum Beispiel der Tiefseeforschung oder der Marinemalerei. Insgesamt stehen 11.500 qm Ausstellungsfläche zur Verfügung; auch das Institut für Schifffahrts- und Marinegeschichte sowie eine Bibliothek mit Archiv sind im Kaispeicher B und im Nachbargebäude untergekommen.
Mit der Elbphilharmonie, dem zweiten kulturellen Leuchtturmprojekt, gewinnt Hamburg ein unverwechselbares, internationales Wahrzeichen. Nach Plänen des Architekten Werner Kallmorgen war der mächtige Kaispeicher A von 1963 bis 1966 als Kakaospeicher an der Spitze des Dalmannkais in prominenter Elblage gebaut worden. Auf diesem denkmalgeschützten Gebäude errichtet Hamburg nach einem Entwurd der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron jetzt ein spektakuläres Konzerthaus. Zwar wurde das markante Speichergebäude zunächst komplett entkernt, Kubatur und Fassaden blieben jedoch erhalten. So entsteht ein weltweit einmaliger architektonischer Hybrid, der zudem um ein Fünf-Sterne-Hotel und 47 Wohnungen ergänzt wird.
Den ehemaligen Speicher krönt künftig eine wellenförmig geschwungene, geneigte Glaskonstruktion; so verbinden sich historische Hafenarchitektur und zeitgenössische Architekturkreativität, Hafentradition und neue Identität des Stadtteils. Zwischen Bestandsgebäude und neuer Wellenkrone entsteht auf 37 m Höhe eine öffentliche Plaza mit fantastischem Ausblick auf den Hafen, die HafenCity, die Elbe und die Stadt. Heute ist das Gebäude im Rohbau bereits ca. 60 m hoch.
Das entkernte Speichergebäude selbst, der Sockel, wird zu zwei Dritteln als Parkfläche genutzt; daneben finden hier auch die Backstage-Bereiche sowie Räume für musikpädagogische Angebote ihren Platz. Im gläsernen Neubau entstehen zwei große Konzertsäle für 2.150 beziehungsweise 550 Besucher. So wird die Elbphilharmonie zu einem einzigartigen, nahezu 110 m hohen Aufführungsort von Klassischer Musik, Musik des 21. Jahrhunderts und anspruchsvoller Unterhaltungsmusik. Im Herbst/Winter 2008/2009 hat die Arbeit am Neubau oberhalb des alten Kaispeichers begonnen, 2012 kann dann das erste Konzert im großen Saal gespielt werden.
Schon mit ihren ersten Entwürfen für das Konzerthaus hatten die Architekten Herzog & de Meuron 2003 internationales Aufsehen erregt, realisierbar wurden ihre Pläne aber erst durch das beispiellose Engagement der Hamburger Bürger. Sie sagten bisher bereits insgesamt 68 Millionen Euro an Spenden für den Bau sowie finanzielle Unterstützung für den späteren Spielbetrieb zu.
Das Gebäude für ein drittes kulturelles Leuchtturmprojekt gestaltet der niederländische Architekt Rem Koolhaas mit seinem Office for Metropolitan Architecture (OMA). Anfang 2008 stellte er einen zweiten, vollkommen überarbeiteten Entwurf für sein Science Center vor. Wie ein stehender, kantiger Ring ist das Bauwerk jetzt geformt, direkt am Elbufer am Magdeburger Hafen findet es seinen Standort im Überseequartier. Sinnbildlich öffnet sich das Science Center sowohl zum Hafen als auch zur Stadt, es wird zum Symbol eines Tors zur Wissenswelt.
Sein inhaltliches Konzept gleicht einem Weltbaukasten: Zehn naturwissenschaftliche Schwerpunktthemen werden hier spannend dargestellt und Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verständlich gemacht. Wissenschaft, so zeigt das geplante Science Center, muss nicht trocken und langweilig sein. Das Ausstellungskonzept sieht viele Hands-on-Exponate vor. Sie dürfen – und sollen – angefasst sowie ausprobiert werden. Durch spielerisches Erkunden und selbständiges Experimentieren wird Wissensvermittlung hier zu einem aufregenden Erlebnis.
Die Projektentwicklungsgesellschaft Groß & Partner hat dieses Ausstellungskonzept – stellvertretend für das Investorenkonsortium Überseequartier – Ende 2006 vorgelegt. Es war in enger Kooperation mit Vertretern der Hochschulen, mit Hamburger und externen Fachleuten und Wissenschaftsjournalisten, Behörden der Freien und Hansestadt Hamburg und der HafenCity Hamburg GmbH entstanden.
Auch die nächsten Schritte zur Finanzierung und Realisierung des ca. 23.000 qm (Bruttogeschossfläche) großen Gebäudes sind bereits abgesteckt: Auf der Finanzierungsseite leistet das Überseequartier-Konsortium einen Beitrag, weitere Mittel werden durch teilweise private Nutzungen des Bauwerks akquiriert. Die Freie und Hansestadt Hamburg hat bereits öffentliche Gelder reserviert. Außerdem wird für das Science Center eine erhebliche mäzenatische Unterstützung erwartet. Wann das Projekt nach detaillierter Ausplanung in den Bau gehen kann, ist allerdings noch offen.
Gemeinsam werden diese Großprojekte einen machtvollen kulturellen Dreiklang bilden und die internationale Wahrnehmung sowohl der HafenCity als auch der Freien und Hansestadt Hamburg weiterhin stärken.











