Konzepte

Willkommen in der Stadt des 21. Jahrhunderts

Die HafenCity setzt zukunftsweisende Standards durch nachhaltige Stadtentwicklungsstrategien

Das Foto zeigt ein Gebäude der HafenCity in der Abenddämmerung

(© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Drei Viertel der Weltbevölkerung werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2050 in Städten leben, in Deutschland sind es heute schon mehr als 70 Prozent. Urbanisierung wird global zur entscheidenden Herausforderung für nachhaltiges Wachstum und Transformation. Gleichzeitig sind urbane Gebiete eine Hauptquelle von Treibhausgasen und verantworten derzeit rund 70 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs. Städte spielen somit eine Schlüsselrolle im Klimawandel. Als weltweit größte Ressourcenverbraucher können deshalb Steuerungsmechanismen und neue Stadtstrukturen im urbanen Kontext besonders viel bewirken. 

Auch vor diesem Hintergrund definiert die HafenCity einen Typus Stadt, der den Herausforderungen der Zukunft in besonderer Weise begegnet. Nicht nur weil die Organisation der gesamten Nutzungen Wohnen, Arbeiten, Freizeitaktivitäten sowie des Verkehrs, aber auch das individuelle Verhalten und der Konsum sich aufgrund der Größe der HafenCity spürbar auf die Klimabilanz Hamburgs auswirken. Da die HafenCity als neu gebaute Stadt auch eine Vorbildfunktion einnimmt, schafft sie auf unterschiedlichen Wegen und Feldern vielfältige Voraussetzungen für nachhaltigen Städtebau sowie resiliente, multidimensionale Stadtentwicklung. Sie ermöglicht damit auch nachhaltige Lebensstile, macht ebenso Angebote zur sozialen Integration und sorgt so für gesellschaftlichen Zusammenhalt, wo Städte sonst der Gefahr einer steigenden Polarisierung unterliegen. 

Die HafenCity setzt daher auch zukunftsweisende Standards durch nachhaltige Stadttransformation. Zielsetzung ist es z. B., eine kompakte, durchmischte und dicht bebaute Stadtstruktur, eine hohe Qualität der öffentlichen Räume, ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept, eine hohe Energieeffizienz bei der Wärmeversorgung sowie die „grüne Qualität“ der Gebäude effektiv miteinander zu verbinden.

Bereits grundsätzlich entspricht die Entwicklung der HafenCity einem wichtigen Nachhaltigkeitskriterium der Stadtentwicklung, da sie das Hamburger Stadtgebiet nicht auf Flächen in der Peripherie erweitert, sondern stattdessen ehemaliges innerstädtisches Hafengebiet wiederverwertet. Neben einem Flächenrecycling findet mit der HafenCity eine Innenverdichtung statt, die darüber hinaus noch viele weitere primär ökologische, aber auch ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsaspekte umfasst. 

Hamburg wächst:
Wo und wie wächst die Stadt?

Wirtschaftliches Wachstum mit Bevölkerungszunahme erfordert einen effizienten Umgang mit Bodenressourcen. Mit der Entwicklung der HafenCity erfährt ehemaliges Hafenareal (sog. Brownfield) eine deutliche Aufwertung und Regeneration zugunsten einer integrierten, ressourcenschonenden und langfristig produktiven Raum- und Flächennutzung in der inneren Stadt. Im Gegensatz zur funktionsgetrennten Stadt der 60er, 70er oder 80er Jahre kommt in der HafenCity ein Konzept zum Tragen, in dem aus Nähe und Nachbarschaft soziale, ökonomische und ökologische Synergien entstehen: Eine feinkörnige, vertikale und horizontale Mischung der kommerziellen und nicht kommerziellen Nutzungen schafft die Voraussetzungen für wirtschaftliche und soziale Diversität und Innovation. Öffentliche Orte fördern den sozialen, kulturellen und politischen Austausch unter Bewohnern, Beschäftigten und Besuchern. Gleichzeitig bietet die HafenCity der Stadt Hamburg die Chance, Wohnraum und Arbeitsplätze flächeneffizient bei relativ hoher Dichte mitten in der Stadt zu schaffen. 

Rechnerisch befinden sich in der HafenCity auf einem Hektar Landfläche ca. 354 Arbeitsplätze und 110 Bewohner. Mit dieser sozialen Dichte wird das städtebauliche Bild der horizontal organisierten europäischen Stadt für die Hafen-City nicht gebrochen, wohl aber an Erwartungsgrenzen geführt – denn schließlich ist Hamburg nicht Manhattan. Baulich bedeutet diese Dichte eine Geschossflächenzahl (GFZ) je nach Quartier von 3,7 bis 6,1. Für das Wohnen wird diese Dichte mitunter als hoch empfunden, aufgrund der zentralen, urbanen Lage der Quartiere, der Nähe zum Wasser sowie der Begegnungsfähigkeit in der HafenCity in Kauf genommen oder sogar explizit gewünscht. Wasser schafft in Form „blauer Freiräume“ zudem Luft und Licht.

Trotz der intensiven Bebauung werden 24 Prozent der Landfläche als öffentliche Freiflächen genutzt. Zum Vergleich: In der bisherigen City zwischen Speicherstadt und Binnenalster sind es nur 5 Prozent. Hinzu kommen in der HafenCity weitere 14 Prozent privater Freiflächen, die öffentlich zugänglich sind. Dabei werden hier aufgrund der vielfach linearen Struktur der Freiräume am Wasser nahezu alle Standorte einbezogen. Im Vergleich zur City mit 42 Prozent ist der Anteil der reinen Straßenverkehrsflächen in der HafenCity auf 23 Prozent zurückgedrängt. Damit wird in der HafenCity nicht nur eine neue Nutzungsmischung, sondern auch eine Bodennutzungseffizienz erreicht, die kompaktes Wohnen und Arbeiten mit großzügigen öffentlichen Räumen verbindet. So wird über eine einfache Fortschreibung hinaus die deutliche Transformation des Kerninnenstadtbilds erreicht – und nicht nur durch die Neubauten selbst. 

Leben am Wasser

Da die HafenCity im hochwassergefährdeten Bereich der Elbe liegt, schafft ein neues Hochwasserschutzkonzept die Voraussetzungen für die urbane Dichte, eine intensive Nutzung und die Entstehung von Wohnraum. Zugleich prägt es die außergewöhnliche Topografie des neuen Stadtteils.

Indem die Promenaden an den Wasserseiten auf dem niedrigen ehemaligen Hafenniveau verbleiben, bleibt das Erlebnis der direkten Nähe zum Wasser und dessen Sichtbarkeit für Bewohner, Beschäftigte und Besucher erhalten. Die Warftgeschosse dienen zudem der Schaffung von Pkw-Stellplätzen und entlasten die Straßen von einem großen Teil des ruhenden Verkehrs sowie den Stadtraum vom Parkaufkommen. So entsteht eine kostengünstige Mehrfunktionsinfrastruktur. Gleichzeitig stehen dem Wasser mit den niedrigen Promenaden Räume zur unschädlichen Ausbreitung bei Hochwasser zur Verfügung – ein effektives Mittel zur Reduktion des Wasserscheitels bei extremem Hochwasser. 

Die HafenCity-typische, offene Bauweise wirkt sich in der Nähe zu großen Wasserflächen klimaschonend aus. Eine daraus resultierende Reduktion des sommerlichen Hitzeinseleffekts der Stadt mindert den Bedarf an Klimatisierung, während der Wohn- und Arbeitskomfort steigt. Dennoch führt die mit der Wasserlage verbundene Nähe zum Hafen – genauso wie der Verkehrslärm in der östlichen HafenCity – zu besonders hohen Anforderungen an Lärmschutz. Die Anordnung der Gebäude, die Orientierung der Aufenthaltsräume und spezielle Fensterlaibungen unterstützen die Verminderung von Lärmauswirkungen. Die Hafenplanungsverordnung begrenzt darüber hinaus Emissionen aus dem Hafen, der südlich der Elbe weiterhin in Betrieb ist.

Nachhaltige Mobilität: attraktiv nicht nur für Fußgänger und Radfahrer

Schon die westliche und zentrale HafenCity zeichnet sich durch eine Vielzahl nachhaltiger Maßnahmen aus, die sie zu einer „walkable & bikeable City“ mit kurzen, attraktiven Wegen macht. Durch die Nutzungsmischung liegen die verschiedenen Stadtnutzungen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur, Freizeit und Handel dicht beieinander. Unterstützt durch eine hohe gestalterische und funktionale Qualität (z. B. durch öffentlichkeitsbezogene Nutzungen im EG) werden Wegbeziehungen topografisch und gefühlt gemindert und gleichzeitig Anreize zu aktiver Mobilität geschaffen. Hinzu kommen bislang sechs Stadtrad-Stationen (Angebot wird noch erweitert) sowie – mit der U-Bahnlinie U4, dem Anschluss an die S-Bahnstation Elbbrücken, mehreren Fähranlegern sowie einem Busverkehrssystem auf Wasserstoffantriebsbasis – ein hervorragend ausgebautes ÖPNV-System. Mit mehreren öffentlichen Ladestationen (darunter Hamburgs erste Schnell-Ladesäule) ist die HafenCity außerdem Teil der Modellregion Elektromobilität Hamburg. Busse und Pkws tanken seit Februar 2012 zudem klimafreundlich an einer öffentlichen Wasserstofftankstelle gegenüber vom Spiegel-Verlagshaus. Seit Mai 2015 können selbst Kreuzfahrtschiffe während der Liegezeit am Kreuzfahrtterminal über eine LNG Hybrid Barge emissionsarm mit Energie aus Flüssigerdgas (LNG) versorgt werden.

Sehr gute ÖPNV-Qualität, feinkörnige Nutzungsmischung, hohe Dichte, gute Fußgänger- und Radfahrqualitäten, Fahrradstationen: Neben den klassischen Maßnahmen nachhaltiger Mobilität umfasst das Thema in der HafenCity zukünftig noch weitere Aspekte. Für die östlichen Quartiere wird derzeit ein spezifisches Smart Mobility-Konzept vorbereitet. Smart Mobility steht in diesem Zusammenhang für intelligente, nachhaltige Mobilitätslösungen, die die Flächennutzungseffizienz und Ressourcennutzung in der HafenCity optimieren und dabei zukunftsweisende Innovationen und Multimodalität fördern. Dabei werden gleichzeitig die privaten Mobilitätskosten reduziert und die Wahlmöglichkeiten der Nutzer erweitert. Als wesentliche Elemente für das Mobilitätskon-zept in der östlichen HafenCity (in den Quartieren Baakenhafen und Elbbrücken) wird zu-grunde gelegt:

- Die Zahl der zu realisierenden Stellplätze in der östlichen HafenCity wird auf 0,4 Stellplätze pro Wohneinheit und bei gewerblichen Gebäuden im Quartier Elbbrücken auf 25 bis 30 % der tatsächlich herzustellenden Stellplätze für alle Nutzungen (Ausnahme: Hotels) reduziert. So werden erhebliche Kosteneinsparungen realisiert und Ressourcen eingespart.

- Es wird ein stationsbasiertes und quartiersübergreifendes Carsharing-System als verlässliches Angebot für alle Haushalte (und evtl. Unternehmen) in der östlichen HafenCity auf 30 % der den Wohneinheiten zugeordneten Stellplätze (d.h. bei 40 Stellplätzen für 100 Wohnungen 12 Stellplätze für Carsharing) eingerichtet.

- Durch verbindliche Mindestvorgaben für die Vor- und Ausrüstung der Tiefgaragen mit Ladeinfrastruktur wird Elektromobilität wird im Rahmen des Carsharings und darüber hinaus – auch bei gewerblichen Gebäuden – gefördert, um die Ressourceneffizienz des Individualverkehrs deutlich zu steigern

- Es werden weitere „smarte“ Elemente integriert (z.B. hoher Komfort für Fahrräder und Pedelecs, intelligente Lieferkonzepte).

Emissionsarme Wärmeenergie

Nachhaltig ist seit Langem schon die Wärmeenergieversorgung der HafenCity. Sämtliche Gebäude der westlichen HafenCity sind an das auf Kraft-Wärme-Kopplung basierende Hamburger Fernwärmenetz des Betreibers Vattenfall angeschlossen, das in der HafenCity noch ergänzt wird durch Solarthermie (1.800 m2 solarthermische Anlagen auf den Dächern der westlichen Quartiere decken 40 Prozent des dortigen Warmwasserbedarfs) sowie weiteren CO2-senkenden Erzeugungsanlagen (etwa einer Dampfturbine im Heizwerk HafenCity) und dadurch seit 2002 einen effizienten Energiemix mit einer CO2-Emission von 175 g/kWh ermöglicht. Zum Vergleich: „Klassische“ umweltstandardgerechte neue gebäudebezogene Wärmeversorgung produziert eine durchschnittliche CO2-Emission von 240 g/kWh.

Ein dezentrales und modulares Nahwärmeversorgungsnetz ermöglicht in der östlichen Hafen-City seit 2009 sogar CO2-Emissionswerte von nur noch 89 g/kWh. Aufgrund der dezentralen Struktur kann dieses von Enercity, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Hannover, betriebene Versorgungssystem gemeinsam mit dem Stadtteil wachsen. Erster Netzbaustein ist die temporäre Energiezentrale im Oberhafen. Das Wärmekonzept der östlichen HafenCity zeichnet sich durch eine maßgebliche Verwendung erneuerbarer Energien aus: Mit 92 Prozent wird nahezu die gesamte eingesetzte Energie regenerativ erzeugt – lediglich die Spitzenlast bleibt ausgenommen. Der Primärenergiefaktor liegt bei 0,11.

Zukünftig soll die Prozessabwärme der einer Kupferhütte von Aurubis die östliche HafenCity mit Wärme versorgen. Der Vorteil: Abwärme verursacht so gut wie keine zusätzliche CO2-Belastung und keinen Stickoxid-Ausstoß. Damit ist keine eigene Erzeugungsanlage in der HafenCity mehr notwendig.

Ein Zeichen für die Umwelt

Seit 2007 vergibt die HafenCity Hamburg GmbH das Umweltzeichen HafenCity, das erste Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen in Deutschland. Seit 2010 ist die Zertifizierung eine Voraussetzung für die Anhandgabe von Grundstücken. Bisher wurden 36 Gebäude mit dem HafenCity Umweltzeichen zertifiziert oder wurden vorzertifiziert. Im Jahr 2017 wurde das Umweltzeichen zum dritten Mal umfassend überarbeitet. Seither gibt es in Anlehnung an den DGNB-Standard statt der Zertifizierungen „Silber“ die Auszeichnung „Gold“, statt der Auszeichnung „Gold“ die Zertifizierung „Platin“. Gleichzeitig wurden die Kategorien zum Teil neu strukturiert, Ergänzungen eingearbeitet und das System an aktuelle gesetzliche Vorgaben und geänderte Normung angepasst sowie neue Standards gesetzt. 

Wichtigstes inhaltliches Ziel des Umweltzeichens ist die weitere Reduzierung des CO2-Verbrauchs bei Herstellung, Betrieb und Rückbau der Gebäude – dabei wird nun jedoch der Fokus nicht mehr nur auf die weitere Unterschreitung des Energiebedarfes gesetzt, sondern auch auf die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen (Sonne, Wind) durch das Gebäude selbst. Zudem unterschreiten die Anforderungen im Bereich Energieverbrauch die Vorgaben der Energieeinsparverordnung 2016 (ENEV) nur noch in dem Maße, indem sie zu einer erkennbaren weiteren Reduktion der CO2-Emissionen im Lebenszyklus des Gebäudes führen.

Darüber hinaus wurden die Themen (Elektro-)Mobilität sowie eine verbindliche Teilnahme am Quartiersmanagement integriert. Auch die barrierefreie Zugänglichkeit der Gebäude und Nutzungen wurde im größeren Maßstab als bisher aufgegriffen. Neu sind die Inhalte Schallschutz sowie Rückbau und Recycling. Gleichzeitig wurde das energetische Monitoring auf alle Gebäudetypen ausgeweitet.

Eine Auszeichnung setzt voraus, dass mindestens drei von fünf Kategorien in Platin erfüllt werden, die weiteren in Gold. Damit können die Bauherren trotz der allgemeinen Verbindlichkeit eigene Akzente setzen. Die Kategorie 1 „Nachhaltiger Umgang mit energetischen Ressourcen“ bleibt davon unbenommen Pflichtkategorie. Die Nutzungen Wohnen, Büro, Hotel, Gewerbe/Handel, Versammlungsstätten und Bildungseinrichtungen werden zudem nun in ihren Anforderungen deutlich unterschieden. 

Osaka 9: der NachhaltigkeitsPavillon

Einen umfassenden Überblick über das gesamte Nachhaltigkeitskonzept bietet der Hafen-City NachhaltigkeitsPavillon Osaka 9 an der Uferpromenade des Magdeburger Hafens. Kernthemen der Ausstellung sind Konzepte der nachhaltigen Bodennutzung sowie der mischgenutzten Citystruktur, einer ressourcenspaenden Mobilitätsstruktur sowie der nachhaltigen Energieversorgung und „grüner“ Gebäude. Der Infopavillon ist zudem Ausgangspunkt für Führungen sowie ein beliebter Veranstaltungsort direkt am Wasser.