Konzepte
Höchste Standards für nachhaltige Stadtentwicklung
Mit der HafenCity baut Hamburg für die Zukunft –und setzt deshalb auch zukunftsweisende Standards: Durch Nachhaltigkeit zeichnen sich nicht nur viele architektonische Entwürfe für Einzelbauten aus. Schon die grundlegende Konzeption des Stadtteils ist von schonendem Umgang mit Ressourcen geprägt
Als Stadtteil der kurzen Wege lädt die HafenCity zur nachhaltigen Verkehrsteilnahme – beispielsweise mit dem Fahrrad oder zu Fuß – ein (© Daniel Barthmann) Bilderserie starten
Der innerstädtische Stadtteil HafenCity entsteht auf einer Fläche, die mehr als ein Jahrhundert lang nur von Industrie und Hafennutzung geprägt wurde. Schon dieser Ansatz, international "brownfield development" genannt, zeichnet sich durch seine Nachhaltigkeit aus: Hamburg wächst nicht mehr, wie noch in den 1980er- und 1990er-Jahren üblich, in seiner Peripherie; auf die Entwicklung – und somit die Versiegelung – von Grünflächen ("greenfield development") kann also weitgehend verzichtet werden. Stattdessen wird ehemaliges Hafengebiet umgenutzt – und die Hamburger Innenstadtfläche dabei um 40 % erweitert.
So lässt sich auch der ökologische Wert des einstigen Industriegebiets steigern. An kontaminierten Stellen wie dem Standort des alten Gaswerks wurde der Boden mit aufwendigen Maßnahmen ausgetauscht; auf insgesamt 22 ha entstehen im gesamten Stadtteil Plätze, Promenaden und Parks. Durch unterirdische Auto-Stellplätze in den als Hochwasserschutz entstandenen Gebäudesockeln wird die Ressource Boden ebenso schonend wie intensiv genutzt; im gesamten Stadtteil entsteht kein einziges oberirdisches Parkhaus (außer der Sockel der Elbphilharmonie, der auch als Parkhaus genutzt wird).
Aufgrund ihrer innerstädtischen Lage ist die HafenCity zudem für viele Bewohner, Beschäftigte und Besucher auch ohne Auto gut erreichbar. Einen hervorragenden Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr garantieren die beiden Haltestellen der neuen U-Bahnlinie U4; in der unmittelbar nördlich anschließenden Umgebung befinden sich außerdem Haltestellen der U1 und U3 und aus dem bestehenden Zentrum ist der Stadtteil schon binnen weniger Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar.
Innerhalb der HafenCity sorgt eine dichte Mischung aus Arbeits-, Einzelhandels-, Gastronomie- oder Wohnnutzungen für kurze Strecken, die sich auf einem besonders engmaschigen Wegenetz zurücklegen lassen. Selbst im Vergleich mit den gefragten gründerzeitlichen Vierteln westlich der Alster schneidet die HafenCity hier eindeutig besser ab: Sie verfügt über mehr Fußwege – viele davon sogar direkt am Wasser – und über mehr Fußwegkilometer im Verhältnis zu den Straßenkilometern.
Auch die Wärmeversorgung ist im neuen Stadtteil durch ebenso innovative wie nachhaltige Konzepte sichergestellt. Gebäude sind an ein Fernwärmenetz angeschlossen und durch zusätzliche dezentrale Wärmeerzeugung mittels Brennstoffzellentechnik und Solarthermie entsteht ein besonders effizienter Energiemix.
In einem europaweiten Verfahren war 2003 der Auftrag für die Wärmeversorgung der westlichen HafenCity vergeben worden: Ein Grenzwert von 175 g/kWh Kohlenstoffdioxidemission darf dort nicht mehr überschritten werden. Gegenüber einer gebäudebezogenen gasbetriebenen Wärmeversorgung ließ sich der Schadstoffausstoß so um 27 % reduzieren. Für die östliche HafenCity gelten nochmals deutlich herabgesetzte Grenzwerte, sodass dort mit einem im Wesentlichen auf biogenen Energieträgern beruhenden Konzept sogar zukünftig ein Wert von 89 g/Kwh CO2-Emission erreicht wird.
Bei der Ausführung vieler Einzelprojekte wird ebenfalls gesteigerter Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. So hat die HafenCity Hamburg GmbH bereits 2007 ein Umweltzeichen in Gold für außergewöhnliche und eines in Silber für besondere Leistungen bei der Realisierung nachhaltiger Hochbauten entwickelt.
Diese Auszeichnung soll Bauherren und Investoren zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen motivieren. Neben der ökologischen bewertet sie die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit eines Bauvorhabens in insgesamt fünf Kategorien. Für die gesamte zentrale und östliche HafenCity soll allein mit dem Gold-Standard ein Zertifizierungsstand von mindestens 30 % erreicht werden. Die HafenCity Hamburg GmbH hatte dabei eine Vorreiterrolle eingenommen, denn eine deutschlandweit gültige Umweltzertifizierung wurde erst Anfang 2009 durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eingeführt.
Bereits vor Baubeginn kann auch eine Vorzertifizierung nach dem Umweltzeichen HafenCity verliehen werden, die sich von Projektentwicklern und Investoren schon während der frühen Vermarktungsphase nutzen lässt: Potenziellen Käufern oder Mietern wird die Nachhaltigkeit einer Immobilie – einschließlich ihres niedrigen Primärenergiebedarfs – somit von unabhängiger Seite zweifelsfrei bestätigt.
Binnen kurzer Zeit hat sich das Umweltzeichen HafenCity als großer Erfolg erwiesen: Innerhalb von nur zwei Jahren sind rund 200.000 qm BGF vorzertifiziert oder für eine Vorzertifizierung angemeldet worden (Stand: Sommer 2009). Weitere Bauwerke werden schnell folgen, denn immer öfter wird bereits bei der Ausschreibung neuer Bauflächen zur Auflage gemacht, dass entstehende Bauwerke die strengen Standards des Umweltzeichens in Gold erfüllen müssen.
Ein Thema, das noch der Lösung bedarf, sind die Emissionen der Kreuzfahrtschiffe, die zumindest für Schwefeldioxid ab 2010 mit deutlich reduzierten Anteilen im Treibstoff betrieben werden. Um dennoch Risiken auszuschließen, entstehen in unmittelbarer Nähe, zum Beispiel im südlichen Überseequartier, keine Wohnbauten und die Bürobauten müssen während der Liegezeiten belüftbar sein. Der häufig diskutierte Landstromanschluss für die Vielzahl der unterschiedlichen Schiffe setzt nicht nur die Umrüstung der Schiffe voraus, sondern auch eine europaweite Regelung, da ansonsten die Schiffe zukünftig Hamburg wegen der hohen Anschluss- und Betriebskosten meiden. Was bei regelmäßig verkehrenden Fähren bereits gut funktioniert, erweist sich als schwierig für Kreuzfahrer, die jeden Standort nur wenige Male im Jahr anlaufen.











