Konzepte

Stadt der Plätze, Parks und Promenaden

Die Stadträume am und auf dem Wasser sind in der HafenCity städtebauliche Klammer sowie eigenständige, das Stadtbild prägende Elemente

Das Foto zeigt Besucher auf den Magellan-Terassen bei Sonnenschein.

Die Magellan-Terrassen sind ein beliebtes Ausflugsziel in der HafenCity (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Dicht bebaute Orte benötigen besonders qualitätsvolle und flexible öffentliche Stadträume. Eindrucksvoll lässt sich ihre hohe Bedeutung für die HafenCity schon an wenigen Eckdaten ablesen: 25 Prozent ihrer Landflächen, immerhin rund 28 ha, werden zu öffentlichen Freiflächen. Sie sind Erholungspark, Begegnungsort, Spiel- oder Bewegungsfläche und liegen durchweg als Parks oder Promenaden am Wasser. Gleichzeitig entstehen 10,5 km öffentliche Uferlinie. Zu den öffentlichen Freiräumen, die gut vernetzt und untereinander verbunden sind, kommen noch 13 Prozent private öffentlich nutzbare Freiflächen hinzu. Lediglich sieben Prozent der gesamten Freiflächen sind ausschließlich privat. Dazu kommen die nicht in Zahlen zu fassenden „blauen“ Flächen der Elbe und der Hafenbecken, die auch große Frischluftinseln und Sichträume bieten. 

Mediterrane Leichtigkeit
mit Hafenstrenge 

Die großenteils fertiggestellten Stadträume der westlichen HafenCity wurden überwiegend vom Architekturbüro EMBT Arquitectes Associats (Barcelona) entworfen. Kunstvoll gestalteten die Planer das Wechselspiel von Wasser und Land, hafentypisch strengere Formen kontrastieren mit mediterranen, leichten Einflüssen. Zwei große terrassierte Platzanlagen entstanden am Sandtorhafen und Grasbrookhafen: Die 2005 fertiggestellten, an ein Amphitheater erinnernden Magellan-Terrassen (5.600 m2) treppen sich auf mehreren Ebenen zum Wasser hinab. Harte, der ehemaligen Hafennutzung geschuldete Oberflächen und ungewöhnliche Architektur sorgen für einen urbanen, starken (Hafen-)Charakter mit vielen Nutzungsmöglichkeiten. Von den Terrassen schweift der Blick über den 2008 eröffneten Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen. Dessen 5.800 m2 große schwimmende Pontonanlage hebt und senkt sich mit den Gezeiten und bietet einen festen Liegeplatz für bis zu 30 historische Wasserfahrzeuge. 

Die 2007 eröffneten Marco-Polo-Terrassen (7.800 m2) hingegen werden von Grasinseln, Holzdecks und Bäumen kleinteilig strukturiert. Sie wirken geschützt, grün und weich. Kaipromenaden verbinden diese abwechslungsreichen Stadträume miteinander. Südlich der Marco-Polo-Terrassen erreicht man über den Großen Grasbrook und die öffentliche Passage im Unilever-Gebäude die vor allem bei Kreuzfahrtfreunden beliebten Elbterrassen, während der ebenfalls an einer Promenade liegende Vasco-da-Gama-Platz mit Basketballspielfläche und Außengastronomie ein beliebter Quartierstreffpunkt ist. 

Großzügige Grün- und Spielflächen

Im Nordwesten schafft der mit Hügeln, Bäumen und einer Spielwiese für verschiedenartige Nutzungen gestaltete, ca. 6.000 m2 große Sandtorpark eine städtebauliche Klammer, indem sich die Materialien und die Bodengestaltung der Magellan-Terrassen auch auf den Freiflächen rund um den Park fortsetzen. Die seit April 2011 bestehende Grünfläche wird auch von Kindern der angrenzenden Katharinenschule rege genutzt.

Unweit davon eröffnete im Sommer 2013 der an der südlichen Schnittstelle zum Quartier Strandkai gelegene Grasbrookpark. Als grüner Spielpark mit vielen, von Grundschülern mitgestalteten Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene sowie dem Spielschiff in seiner Mitte ist er weit über die Grenzen der HafenCity hinaus bekannt und ein beliebter Treffpunkt.

Das bunte Herz der HafenCity

Die zentrale HafenCity mit dem Überseequartier und dem Elbtorquartier entsteht unterdessen nach Entwurf der renommierten katalanischen Landschaftsarchitektin Beth Galí mit ihrem Büro BB + GG Arquitectes (ebenfalls Barcelona), deren Konzept die HafenCity mit der Hamburger City und der Speicherstadt verbindet. So wächst auch durch das lebendige Areal rund um den Magdeburger Hafen HafenCity und bestehende City weiter zusammen. Schließlich sind Binnenalster und Magdeburger Hafen lediglich 900 Meter und damit nur wenige Gehminuten voneinander entfernt und über die zentrale Domplatz-Achse fußläufig erreichbar. Auch innerhalb der HafenCity werden Überseequartier, Elbtorquartier und Brooktorquartier eng miteinander verknüpft – etwa über die Ende 2010 neu gestaltete historische Busanbrücke. An der Westseite des Magdeburger Hafens, entlang der Osakaallee, erstreckt sich eine bis zu 10 Meter breite Uferpromenade. Rampen, Treppen und grüne Böschungen führen vom neuen Straßenniveau auf die historische Kaiebene. In den Höhensprung ist der NachhaltigkeitsPavillon Osaka 9 integriert, der seit 2011 einen Überblick über das Nachhaltigkeitskonzept der HafenCity bietet. Am Kopf des Magdeburger Hafens ist als wichtigstes Entree zur zentralen HafenCity der Dar-es-Salaam-Platz entstanden – ein attraktiver Ort mit Südausrichtung zum Hafenbecken und mit weiten Blicken bis zur Elbe. 

Die León-Brücke verbindet den Platz mit der Brooktorpromenade, die seit 2010 entlang des Gebäudeensembles von DNVGL bis zur Ericusspitze mit dem Spiegel-Gebäude führt. Besonderheit ist hier ein 30 Meter langes Steinsofa. Die Ericuspromenade lädt als Fortsetzung der Brooktorpromenade seit Herbst 2011 mit einer großzügigen Stufenanlage zum Wechsel der Ebenen ein. Gestaltet wurden diese Freiräume von WES & Partner Landschaftsarchitekten (Hamburg).

Am Ostufer des Magdeburger Hafens führen die Wege seit Herbst 2013 auf zwei Ebenen entlang der neuen Elbarkaden – am Wasser über eine neue Pieranlage mit integriertem Barkassenanleger sowie auf hochwassergeschütztem Warftniveau im Gebäude – entlang dem Hafenbecken weiter bis zur neuen HafenCity Universität (HCU). Sie verbindet damit den Platz vor dem Kaispeicher B mit den Freiräumen an der HCU, da die Pier seit Herbst 2014 unter der Magdeburger Brücke nach Süden weiterführt und so eine durchgehende Verbindung ohne Straßenquerung zum Lohsepark, zum Baakenhafen und zur Elbe ermöglicht. Diese wassernahen Promenadenunterquerungen der hochliegenden Brücken – ob Baakenhafenbrücke, Shanghaibrücke oder Magdeburger Brücke – sind funktionales und herausragendes Merkmal der HafenCity. Hervorragend verbinden sie die vielen Räume am Wasser miteinander. 

Der Lohsepark im Zentrum

Planerische Grundlage des zentral gelegenen Lohseparks – mit 4,4 ha Gesamtfläche die größte zusammenhängende Grünanlage der HafenCity mit weitreichenden stadträumlichen, sozialen und ökologischen Funktionen – ist das ebenfalls aus einem Wettbewerb hervorgegangene Freiraumkonzept von Vogt Landschaftsarchitekten (Zürich). Großzügige, von einem lockeren Wegenetz durchzogene Rasenflächen, Sitzgruppen und Spielmöglichkeiten laden junge und alte Bewohner, aber auch auswärtige Besucher und die Beschäftigten in der HafenCity zum Verweilen ein. An den Längsseiten schließen „Bastionen“ genannte Terrassen zur Straße auf und verbinden die Grünfläche barrierefrei mit den umgebenden städtischen Quartieren und vermitteln gleichzeitig zwischen bebauten Strukturen und Freiraum. Seit Juli 2016 ist der Lohsepark vollständig fertiggestellt. Elementarer Teil der Grünanlage ist mit dem dreiteiligen „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ auch ein Mahnmal zur Hamburger Deportationsgeschichte, von dem über 8.000 namentlich bekannte Juden, Roma und Sinti während der Jahre 1040 bis 1945 deportiert wurden. Es umfasst neben dem bis Mai 2017 fertiggestellten zentralen historischen Gedenkort am unter Denkmalschutz stehenden Relikt des Bahnsteigs 2 eine seit Sommer 2016 begehbare „Fuge“. Diese führt quer durch den Park und zeichnet den historischen Gleisverlauf vom ehemaligen Bahnhofsvorplatz bis zum denkmalgeschützten Bahnsteigrelikt nach. Ein Dokumentationszentrum entsteht in direkter visueller Beziehung zum historischen Gedenk-ort auf der Westseite des Parks an der Steinschanze. 

Grüner Osten der HafenCity

Der Lohsepark wird als grüne städtebauliche Fuge und Fortsetzung des nur noch teilweise grünen Innenstadtrings über den Baakenhafen mit dem Park Baakenhöft an der Elbe weitergeführt und geht in die Promenade am Kichenpauerkai über. Die attraktive grüne Uferzone wird 30 m breit und fast einen Kilometer lang. Sie schafft im Osten eine stadträumliche Anbindung an die grüne Elbinsel Entenwerder. Im landschaftsplanerischen Wettbewerb für das Quartier Am Baakenhafen hatte sich das Atelier Loidl (Berlin) auch durch den Entwurf für den Baakenpark durchgesetzt. Die künstlich aufgeschüttete Spiel- und Freizeithalbinsel im Baakenhafen sorgt ab 2018 für eine räumliche Integration der beiden Landlagen und bietet zusammen mit einer Brücke der Hamburger Architekten gmp sowie Knippers Helbig Advanced Engineering (Stuttgart), die im Frühsommer 2017 eingehängt wird, eine wichtige direkte Fußgängerverbindung zwischen nördlichem und südlichem Ufer des Hafenbeckens. Gleichzeitig lädt dieser nachbarschaftliche Erholungs- und Begegnungsort durch seine spannungsvolle Topografie und Vegetation zum Verweilen ein. Es entsteht ein fast 15 m hoher „Himmelsberg“, Bäume werden gepflanzt und Wiesen locken ebenso wie eine großzügige, zusammenhängende Spiellandschaft mit ca. 3.000 m2 Grundfläche und einem altersübergreifenden Spielplatz. Die Promenaden Versmannkai im Norden und Petersenkai im Süden bilden den Quartiersrahmen und formen einen zusammenhängenden Gesamtraum am Wasser. Mehrere kleine Quartiersplätze gehören mit Gastronomie- und Einzelhandelsangeboten in den Erdgeschossen zu den zentralen öffentlichen Orten innerhalb des Stadtraums und übernehmen wichtige Kommunikations- und Vernetzungsfunktionen.

Schlusspunkt im Osten

Heute nimmt bereits das Quartier Elbbrücken seine Form an. Im Herbst 2015 wurde der letzte städtebauliche Wettbewerb für die HafenCity erfolgreich abgeschlossen. Der Siegerentwurf von Hosoya Schaefer Architects vermittelt geschickt zwischen Offenheit und räumlicher Fassung. Wie schon im benachbarten Quartier Baakenhafen setzte sich im anschließenden Freiraumwettbewerb das Berliner Atelier Loidl durch. Der siegreiche Entwurf, so die Jury im Dezember 2016, orientiert sich an der Backsteinästhetik des Baakenhafens und wertet den Amerigo-Vespucci-Platz zu einem neuen Fokus im Quartier auf. Er wird damit zu einem robusten, flexibel für Veranstaltungen nutzbaren Stadtplatz – dem größten in der gesamten HafenCity. Neben den öffentlichen Stadträumen können in der HafenCity auch viele Privatflächen von Bewohnern, Beschäftigten und Besuchern genutzt werden. Öffentlicher und privater Grund sind eng miteinander verzahnt, für viele in Privatbesitz befindliche Flächen bestehen Gehrechte oder – wie im Überseequartier – Rechte, vergleichbar denen auf öffentlichen Wegeflächen. So wird u. a. sichergestellt, dass Privatflächen zwischen einzelnen Gebäuden für Fußgänger sowie z. T. sogar für Radfahrer passierbar bleiben und diese somit ein engmaschiges Wegenetz und gut vernetzte Aufenthaltsflächen nutzen können.

Die öffentlichen Räume der HafenCity sind bedeutende Flächen nicht nur für die später gut 14.000 Bewohner und 45.000 Beschäftigten, sondern auch für zahlreiche Besucher. Die Stadträume sind hochdifferenziert und eignen sich für eine Vielzahl von Aktivitäten. Sie sind laut und leise, sportlich oder Kontemplativ, aus Gras oder Stein, hart oder weich – und zeigen, was alles aus Hafenflächen entstehen kann. Nicht zuletzt sind sie als ganz besonderer Teil der HafenCity immer aber auch blau, vom Wasser und der Atmosphäre des ehemaligen Hafens und seinen Kaikanten geprägt. Geschichte wird sicht- und spürbar transformiert und nicht versteckt.