Sprachliche Erklärungen

Vom Anhandgabeverfahren bis zur Warftenlösung: Allgemein verständliche Erklärungen für die wichtigsten Fachbegriffe

Glossar A - E

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Anhandgabe

Grundstücksanhandgaben (zum Beispiel als Ergebnis eines erfolgreichen Investorenauswahlverfahrens) in der HafenCity werden zunächst von der HafenCity Hamburg GmbH beantragt; einem Antrag muss dann die Kommission für Bodenordnung zustimmen. Nach ihrer Entscheidung folgt aber noch nicht der Verkauf des Grundstücks, sondern zunächst eine Anhandgabeperiode.
Der Investor / Nutzer erhält dabei seine Fläche (aufgrund einer Anhandgabevereinbarung mit der HafenCity Hamburg GmbH) zunächst exklusiv zur Beplanung. So kann er einen Architekturwettbewerb durchführen, Bodenuntersuchungen in Auftrag geben, grundstücksbedingte Mehrkosten ermitteln, den Bauantrag vorbereiten und die Baugenehmigung beantragen. Die HafenCity Hamburg GmbH, die Behörden und der Käufer stehen während dieser Zeit im ständigen Dialog. Unter Berücksichtigung der spezifischen Grundstücksbedingungen und der Bedingungen des Baukonzepts verhandeln Bauherr und HafenCity gegen Ende der Anhandgabeperiode den Kaufvertrag.
Der Vorteil für den Bauherrn: Er muss den Kaufpreis erst nach Abschluss des Verfahrens finanzieren, hat zuvor außerdem ausreichend Zeit, um das Produkt zu optimieren, die Finanzierung zu sichern und eventuell weitere Nutzer zu akquirieren. Die Stadt erhält sich ihre Möglichkeiten, weiterhin in die Entwicklungsphase einzugreifen. So stellt sie sicher, dass Nutzungskonzepte und Zeitpläne eingehalten werden beziehungsweise durch Architekturwettbewerbe und Baugenehmigung die Bauqualität gesichert wird. Durch klare Taktungen im Abstimmungsprozess wird eine hohe Prozessgeschwindigkeit gewährleistet.
Für Hamburg und die HafenCity Hamburg GmbH ist das Anhandgabeverfahren ein architektonischer sowie nutzungs- und zeitbezogener Qualitätssicherungsprozess: Wenn der Bauherr seinen Verpflichtungen aus dem Anhandgabevertrag nicht nachkommt, kann ihm das Grundstück ohne administrativen Aufwand wieder entzogen werden. So wird kooperatives Verhalten gefördert und gleichzeitig verhindert, dass Investoren auf Trittbrettfahrerstrategien setzen. Letztendlich profitieren beide Seiten vom Anhandgabeverfahren: Sowohl die Stadt als auch der Bauherr minimieren Risiken, Kosten, Qualitäts- und Zeitverluste.

Glossar F - H

Feinkörnig

Verschiedene Nutzungen wie Wohn-, Arbeits- und Freizeitnutzungen werden in der HafenCity auf engem Raum, also feinkörnig, miteinander gemischt. Auf die räumliche Trennung dieser Nutzungen wurde bewusst verzichtet.

Fernwärme

Ein Fernwärme-Netz versorgt mehrere Gebäude – oder sogar ganze Wohngebiete, Stadtteile und Städte – mit Wärmeenergie. Dabei wird die Wärmeenergie zum Beispiel in einem zentralen Kraftwerk erzeugt und dann über Rohrsysteme zu den Endverbrauchern weitergeleitet.

Flutschutztore

Wasserdichte Tore, die im Fall einer drohenden Sturmflut geschlossen werden und so dahinter liegende Gebiete oder Räume (etwa Tiefgaragen) vor Hochwasser schützen.

Gehrechte

Viele Privatflächen sind in der HafenCity häufig mit sogenannten Gehrechten versehen. Für den Eigentümer besteht die Verpflichtung, diese Privatflächen dauerhaft offen zu halten. Passanten dürfen sich hier genauso frei bewegen wie in allen anderen öffentlichen Stadträumen.

Geothermie

Geothermie (auch Erdwärme genannt) macht Unterschiede zwischen der Lufttemperatur und der Wasser- beziehungsweise Bodentemperatur (in bis zu 100 m Tiefe) für die Klimatisierung (Kühlung und Beheizung) von Gebäuden nutzbar.

Hamburger Hauptdeichlinie

Die Hamburger Hauptdeichlinie schützt tief liegende Gebiete vor Hochwasser. Sie besteht aus 7,20 bis 9 m hohen und insgesamt etwa 100 km langen zusammenhängenden Deichen. Unterbrechungen dieser Hauptdeichlinie sind beispielsweise für Straßenverläufe gegeben und werden durch Sturmfluttore gesichert.

Glossar I - M

Kohlenstoffdioxidemissionen

Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2). Kohlenstoffdioxid entsteht bei zahlreichen Verbrennungsprozessen, zum Beispiel in den Verbrennungsmotoren von Autos oder auch in manchen Kraftwerken zur Strom- oder Wärmegewinnung. Es ist das wesentliche Treibhausgas; in steigendem Maße freigesetzt, trägt es entscheidend zur Erderwärmung bei.

Mäandrieren

Mäander sind bestimmte Schlingen oder Schleifen in Flussläufen. Gebäude und Wege, die aufgrund ihrer Form an diese Mäander erinnern, werden von Architekten und Städtebauern daher als mäandrierend bezeichnet.

Metropole

Groß- oder Weltstadt. Manche Definitionen beschreiben Metropolen als Städte mit einer bis zehn Millionen Einwohnern. Ab einer Einwohnerzahl von – je nach Definition – fünf, acht oder zehn Millionen Einwohnern wird von einer Megacity gesprochen.

Metropolregion

Eine stark verdichtete Großstadtregion mit hoher, auch internationaler Strahlkraft. Metropolregionen gelten als Motoren für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Die Metropolregion Hamburg umfasst neben der Stadt Hamburg 14 Landkreise in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt leben und arbeiten 4,3 Millionen Menschen in der Metropolregion Hamburg.

Milieugeber

Als sogenannte Milieugeber der HafenCity gelten erhalten gebliebene Speicher- und Hafenstrukturen, die die ehemalige Hafennutzung widerspiegeln. Sie bewahren die Geschichte eines Orts, der Hamburg über Jahrhunderte entscheidend geprägt hat, und beeinflussen so auch Stimmung und Flair des neu entstehenden Stadtteils.

Multilokale Haushalte

Haushalte, die berufsbedingt über mehrere Wohnsitze verfügen und daher oft besondere Ansprüche an ihre verschiedenen Wohnungen stellen (zum Beispiel verkehrsgünstige Lage).

Glossar N - R

Nahwärme

Ein Nahwärme-Netz versorgt mehrere Gebäude mit Wärmeenergie, überträgt sie aber – im Gegensatz zur Fernwärme – nur über kürzere Strecken. Statt in einem zentralen Kraftwerk wird die Wärmeenergie in kleineren dezentralen Einheiten (beispielsweise Blockheizkraftwerken, Brennstoffzellen, solar- oder geothermischen Anlagen) erzeugt.

Normalnull

Als Normalnull (NN, seit 2000 eigentlich Normalhöhennull, also NHN) wird der mittlere Wasserstand der Nordsee definiert. In Hamburg ist Normalnull auch Bezugsgröße für die Höhe von Sturmfluten.

Öffentlichkeitsrechte / Öffentlichkeitsverpflichtung

Private und öffentliche Flächen sind in der HafenCity an vielen Orten eng miteinander verzahnt. So dürfen sich Passanten auf vielen Privatflächen nicht nur rund um die Uhr aufhalten. Auch weiter gehende öffentliche Nutzungen wie politische, journalistische oder künstlerische Aktivitäten oder Betteln sind gestattet, was besonders im zentralen Überseequartier bedeutsam ist.

Öffentlichkeitswirksam / Publikumswirksam

Viele Erdgeschossflächen werden in der HafenCity öffentlichkeitswirksam beziehungsweise publikumswirksam genutzt: Hier sind Geschäfte, Restaurants, Cafés, Bistros oder Bars mit starkem Publikumsverkehr eingezogen.

Ökologisch

umweltbezogen

Ökonomisch

wirtschaftsbezogen

Pilotprojekt

Mit Pilotprojekten wird die Alltagstauglichkeit und Zuverlässigkeit beispielsweise neu entwickelter Technologien in einer Art Testbetrieb erprobt.

Planungsprinzipien

Grundsätze, die für die Planung des gesamten Stadtteils gelten – und die HafenCity daher entscheidend prägen.

Glossar S - U

shared spaces

EU-weite Gestaltungsmethode von innerstädtischen Straßen, die auf gegenseitiger Verständigung der Verkehrsteilnehmer bei möglichst weitgehendem Verzicht auf Verkehrsregeln, Lichtsignalanlagen und Beschilderungen aufbaut.

Shopping Mall

überdachtes Einkaufszentrum mit zahlreichen Geschäften

Sockel

Da die HafenCity außerhalb der Hamburger Hauptdeichlinie liegt, entstehen sämtliche Gebäude sowie fast alle Straßen auf 7,50 bis 8 m hohen – und damit hochwassersicheren – Sockeln. In Anlehnung an die hochwassersicheren Siedlungshügel auf kleinen Nordseeinseln (Halligen) werden diese Sockel auch Warften genannt.

Solarthermie

Mit solarthermischen Anlagen kann Sonnenenergie zur Wärmegewinnung, in der HafenCity zum Beispiel zur Warmwassererzeugung, genutzt werden.

Soziales Milieu

Jeder Mensch wird – mehr oder weniger stark – von den sozialen Milieus geprägt, in denen er sich bewegt. Ein soziales Milieu ergibt sich aus verschiedenen Einflüssen (zum Beispiel kultureller, politischer, religiöser oder wirtschaftlicher Art) und ist stets auch mit bestimmten Wertvorstellungen und Weltanschauungen verbunden.

Spa

Gesundheits- und Wellnesseinrichtung: häufig in Hotels oder als eigene große Einrichtung

Speicherstadt

Historischer, weitgehend im späten 19. Jahrhundert erbauter Lagerhauskomplex. Seine denkmalgeschützten Klinkerbauten befinden sich auf einer Fläche von 25 ha nördlich der neuen HafenCity, mit der sie einen gemeinsamen Stadtteil bilden. Heute wird die Speicherstadt auch für Museen, Gastronomie und Büros genutzt.

Stadträume

Als öffentliche Stadträume werden solche Flächen bezeichnet, die dem Aufenthalt und der Bewegung innerhalb der Stadt dienen, also zum Beispiel Plätze, Parks, Promenaden und Boulevards.

Straßennebenflächen

Gehwege, Fahrradwege, Sicherheitsstreifen, Pflanzstreifen, Haltebuchten und anderweitig – zum Beispiel als Grünflächen – gestaltete Bereiche zu beiden Seiten der Straßen

Urbanität

Die (groß-)städtische Anmutung eines Stadtraums; Urbanität ergibt sich grundsätzlich aus einer geeigneten städtebaulichen Struktur, aus unterschiedlichen Nutzungen in und außerhalb von Gebäuden sowie aus der Präsenz einer großen Zahl von unterschiedlichen Menschen.

Glossar V - Z

Warften

Da die HafenCity außerhalb der Hamburger Hauptdeichlinie liegt, entstehen sämtliche Gebäude auf künstlich angelegten Warften, ihr Höhenniveau von 8 bis 9 m über Normalnull erreichen auch extreme Hochwasser nicht. In Anlehnung an die hochwassersicheren Siedlungshügel auf kleinen Nordseeinseln (Halligen) werden diese Sockel auch Warften genannt.