Quartiere

Kleinteilig und lebendig

Mit dem Quartier Am Sandtorkai/Dalmannkai wurde im -Nordwesten der HafenCity das erste Quartier komplettiert

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Es ist vollbracht: Am 11. Januar 2017 wurde die Elbphilharmonie im Beisein der
Bundeskanzlerin, dem Bundespräsidenten und Hamburgs Erstem Bürgermeister offiziell eröffnet. Nach fast zehn Jahren Bauzeit krönt eine wellenförmig geschwungene, bis zu 110 m hohe Glaskonstruktion die sorgfältig erhaltene Kubatur und imposante Fassade des ehemaligen Kaispeichers A des Architekten Werner Kallmorgen. Es ist gelungen, einen weltweit einmaligen architektonischen Hybrid aus Konzerthaus, Hotel mit 244 Zimmern, 45 Wohnungen und einem Parkhaus mit rund 500 Stellplätzen zu schaffen, der weithin sichtbar zeitgenössische Baukunst mit Hafentradition sowie die historische Hafenarchitektur mit der neuen Identität der gesamten HafenCity verbindet. Diese dient mit ihrer Urbanität der Architekturikone als wichtiger Resonanzraum. Am sichtbarsten vielleicht auf der für jeden frei zugänglichen Plaza zwischen Bestandsgebäude und neuer Wellenkrone. Hier ist nicht einfach nur ein großer Raum entstanden, sondern eine atmosphärische Schnittstelle zwischen den eigentlichen Gebäudenutzungen und dem öffentlichem Stadtraum – mit einem fantastischen Rundumblick aus 37 m Höhe auf die gesamte Stadt, den Hafen und die HafenCity.

Zu ihren Füßen prägt eine lebendige urbane Nachbarschaft am Wasser das Quartier Am Sandtorkai/Dalmannkai. Im Frühjahr 2009 wurde es nach nur sechs Jahren Bauzeit als erstes vollendetes Quartier der HafenCity eröffnet. Rund um Hamburgs ältestes künstlich angelegtes Hafenbecken von 1866, den Sandtorhafen, gelegen, bilden die dortigen Pontons des jetzigen Traditionsschiffhafens einen schwimmenden Platz, der bis zu 30 historischen Schiffen Liegeplätze bietet und der Bewohnern, Besuchern und Beschäftigten zur Erholung und zum Flanieren dient. 

Nördlich des Hafenbeckens liegt der Sandtorkai, an den die denkmalgeschützte Speicherstadt angrenzt. Südlich erstreckt sich die Landzunge des Dalmannkais mit dem Grasbrookhafen. Die acht Gebäude des Sandtorkais und die 15 Gebäude des Dalmannkais gewähren weite Durchblicke bis auf die innere Stadt sowie zur Elbe.

Offene und mehrdimensionale Topografie

Die gesamten Stadträume erstrecken sich vorrangig auf zwei Ebenen. Während alle Hochbauten und Straßen auf künstlich erhöhten, hochwassergeschützten Warftsockeln ca. 8 m ü. NN liegen, entstanden die Uferpromenaden auf 4–5,5 m ü. NN. Besonders klar erkennbar ist der Höhensprung im Norden des Sandtorkais. Dort liegt die Straße Am Sandtorkai aus Rücksicht auf die Speicherstadt ausnahmsweise auf dem niedrigen Niveau der Speicherstadt, die neu entstandenen Gebäudesockel wirken hier wie ein Wall.

Während die Pontons des Traditionsschiffhafens auf dem Wasser gewissermaßen eine dritte Ebene bilden, die sich mit den Gezeiten zweimal täglich um mehr als 3 Meter hebt und senkt, fügt die Elbphilharmonie-Plaza dem Stadtraum noch eine vierte Ebene hinzu.

Die Magellan- und die Marco-Polo-Terrassen setzen als bislang größte Plätze der HafenCity deren typische mehrdimensionale Topografie fort: Die 5.600 m2 umfassenden Magellan-Terrassen treppen sich wie ein Amphitheater ans Wasser hinab. Die Stufen der 7.800 m2 großen Marco-Polo-Terrassen laden auf Grasinseln und Holzdecks unter Bäumen zum Verweilen ein. Ergänzend bietet der Vasco-da-Gama-Platz als kleinerer Nachbarschaftsplatz noch eine Basketballspielmöglichkeit.

Nahezu alle Plätze und Promenaden der gesamten westlichen HafenCity wurden von EMBT (Barcelona) geplant. Lediglich für die Gestaltung des Sockels und der Promenade am Sandtorkai sind BHF Landschaftsarchitekten Kiel verantwortlich. Überhaupt spiegelt sich auch in der Architektur die Vielfalt des Quartiers wider: Allein bei den 15 Gebäuden des Dalmannkais sorgten 27 Bauherren und 26 Architekturbüros für ein hohes Maß an Diversität.

Viele Lebensstile nebeneinander

Ebenso ausdifferenziert wie das Stadtbild ist die Mischung der Lebensstile der Bewohnerschaft. Rund 1.000 Menschen leben im Quartier, darunter junge berufstätige Singles genauso wie Familien oder ältere Paare und Senioren nach Auszug der Kinder. Gemeinsam engagieren sie sich in Sport- oder Kulturvereinen und knüpfen dabei zahlreiche soziale Verbindungen wie den Verein „Netzwerk HafenCity“. Zur Förderung dieser vielschichtigen Sozialstruktur gab es gezielte Interessenbekundungsverfahren. Die Grundstücke für den Wohnungsbau wurden seit 2003 nicht meistbietend verkauft, sondern gingen nach einer Anhandgabephase zu vorab fixierten Festpreisen an den Bauherrn mit dem besten Nutzungskonzept. Somit sind von den Miet- und Eigentumswohnungen viele für Bezieher mittlerer Einkommen finanzierbar, einige entstanden aber auch im Luxussegment. Deutlich preiswerterer Wohnraum wurde durch Wohnungsbaugenossenschaften und drei Baugemeinschaften entwickelt.

Neben den Bewohnern prägen auch die Angestellten der etwa 50 ansässigen Unternehmen das Quartier. Angesiedelt haben sich hier vor allem moderne Dienstleister aus der Medien- und der Logistikbranche. Ständig mischen sich die Beschäftigten mit Bewohnern und Besuchern – u. a. in den Erdgeschossen nahezu aller Gebäude des Quartiers, wo eine große Vielfalt an Gastronomen, Einzelhändlern und kulturellen Nutzungen für ein breites Angebot sorgen. Über insgesamt rund 6.500 m2 erstrecken sich Geschäfte, Cafés, Restaurants, Galerien und Bars. Im Rahmen eines Großprojekts gelang es hier somit erstmalig, publikumsbezogene Nutzungen in größerem Maße funktional in die Erdgeschosse zu integrieren. Die in den Kaufverträgen und Bebauungsplänen verankerte Forderung nach durchweg fünf Meter hohen Erdgeschossen in den Gebäuden, der reduzierte Preis für EG-Geschossbodenwerte und die Verpflichtung der Bauherren, passende Nutzer zu suchen, erzeugen die Voraussetzung für die entstandene und mit der Elbphilharmonie noch deutlich weiter wachsende Lebendigkeit. 

Das Prinzip der dichten Nutzungsmischung ist jedoch auch mit Herausforderungen verbunden, für die es innovative Lösungen zu finden galt. Um den Bewohnern geschützte Privaträume zu bieten, gruppieren sich die Ensembles auf dem südlichen Dalmannkai um Innenhöfe, die freie Ausblicke über den Grasbrookhafen und die Elbe bieten, gleichzeitig aber von der tiefer gelegenen Promenade aus schwer einsehbar sind. Privatheit und Öffentlichkeit bilden im Quartier Am Sandtorkai/Dalmannkai somit keinen Widerspruch: Ihr Neben- und Miteinander ist sogar ein entscheidendes Qualitätsmerkmal des Quartiers wie auch der gesamten HafenCity.

Quartiersprofil

  • Größe
    10,9 ha
    Gesamt BGF: 261.000 m²
  • Arbeitsplätze
    ca. 2.700
  • Gewerbliche Nutzungen
    Unternehmen, Büro, Einzelhandel, Gastronomie
  • Wohnungen
    746 (zzgl. 44 in der Elbphilharmonie)
  • Besondere Einrichtungen
    Elbphilharmonie, Traditionsschiffhafen
  • Entwicklungszeitraum
    2003 bis 2009